Beta

Wenn wir an Li­te­ra­tur den­ken, den­ken wir im­mer in Buch­form. Auch wenn wir sie di­gi­tal kon­su­mie­ren, ha­ben wir doch im­mer die­ses Be­dürf­nis nach ei­nem An­fang, der Il­lu­si­on ei­ner Voll­stän­dig­keit und ei­nem En­de. Da­bei ist un­se­re Auf­nah­me­fähig­keit in­zwi­schen weit dar­über hin­aus; das sieht man an un­se­rer im­mer wei­ter stei­gen­den Nei­gung zur Kom­ple­xi­tät. Das Auf­kom­men der Fan­ta­sy zum Bei­spiel, be­gin­nend mit dem Er­folg von *Herr der Rin­ge* bis hin zu Mons­ter­in­hal­ten wie *Das Lied von Eis und Feu­er*: In­hal­te, die die Li­nea­ri­tät ge­ra­de­zu sp­ren­gen, sich in ver­schie­de­ne Me­di­en wie Buch, Film, Se­rie und Com­pu­ter­spiel aus­wei­ten und paral­le­le Hand­lun­gen er­lau­ben.

Un­se­re Welt, die Wir­k­lich­keit, ist be­reits zu kom­plex für Li­nea­ri­tät. Wir er­le­ben sie in klei­nen Bei­trä­gen. Hier ein Ar­ti­kel, da ein Kom­men­tar, dort ein Vi­deo – nicht zu­sam­men­hän­gend, aber doch zum sel­ben The­ma, und das reicht uns, um die Ver­bin­dung her­zu­s­tel­len.

Für die Fan­tas­tik trau­en wir uns das aber nicht, weil wir da­mit die Il­lu­si­on der Voll­stän­dig­keit auf­ge­ben wür­den. Kein Nach­rich­ten­por­tal macht sich dar­über Ge­dan­ken, weil je­dem klar ist, dass die Welt zu kom­plex ist, um voll­stän­dig dar­ge­s­tellt zu wer­den. Doch wir ent­wi­ckeln schon seit Lan­gem auch fik­ti­ve Wel­ten zu ei­ner ma­xi­mal Rea­li­täts­nähe, wo­durch kein Ro­man die Welt, in der er spielt, voll­stän­dig dar­s­tel­len kann. Vi­el­leicht soll­ten wir uns die­ser Tat­sa­che dann ein­fach mal stel­len und auch Fik­ti­on gra­nu­liert ver­mit­teln.

*Was­zu­le­sen.de* ist ein ers­ter An­satz, Li­te­ra­tur von gro­ßer Kom­ple­xi­tät in klei­nen Tei­len zu ver­mit­teln – di­gi­tal, für zwi­schen­durch. So wie wir Nach­rich­ten le­sen, so kann man hier Un­ter­hal­tung le­sen.

Falls du auf *Gatt­land*, un­ser ers­tes li­tera­ri­sches Pro­jekt aus dem Gen­re Steam­punk-Fan­ta­sy, aber kei­ne Lust hast, kannst Du mit die­sem Le­se­clus­ter das Prin­zip an­hand ei­ner all­ge­mei­nen Dis­kus­si­on über di­gi­ta­le Li­te­ra­tur aus­pro­bie­ren. Ent­schei­de Dich am En­de der Text­k­no­ten im­mer nach Dei­nem ers­ten, spon­ta­nen In­ter­es­se, oh­ne die Angst, et­was zu ver­pas­sen. Die Tex­te ver­zwei­gen sich ex­po­nen­ti­ell, das heißt, dass es auf je­der Ebe­ne dop­pelt so vie­le gibt wie auf der Ebe­ne da­vor. Da ist es un­mög­lich, In­hal­te ex­k­lu­siv ein­zu­bin­den. Je­de In­for­ma­ti­on fin­det sich da­her mehr­mals im Sys­tem. Man kann al­so un­be­küm­mert drauf­los­le­sen im Ver­trau­en dar­auf, dass man al­le In­for­ma­tio­nen, die für ei­nen selbst re­le­vant und in­ter­es­sant sind, früh­er oder spä­ter schon be­kom­men wird.

Metadaten

Nicht Linear

von Tina Giesler aus Dembelo

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